disappear/reappear

Felix Warnatsch

Felix Warnatsch - disappear/reappear

Vernissage
05. Februar 2019, 19 UHR

Ausstellungsdauer
05. – 16. Februar 2019

Öffnungszeiten

Di & Do von 9 bis 18 Uhr
Mi & Fr von 9 bis 16 Uhr
Sa & So von 13 bis 17 Uhr
und nach Vereinbarung

Text zur Ausstellung

von Leon Doorlag

Felix Warnatsch arbeitet mit gefundenem Material: Vergessenes, Verworfenes, dem Sinnzusammenhang von technischer Funktion und alltäglichem Kontext Entzogenes – Abfallprodukte unserer (post-) industriellen Überflussgesellschaft. Durch Warnatsch neu kombiniert, reorganisiert, in skulpturale, in-den-Raum-ausgreifende Objekt-Installationen verwandelt, zeigen diese ausgestoßenen Materialien plötzlich eine geradezu einzigartige Stofflichkeit und werden zu Dingen. Man könnte sagen: Sie offenbaren Ihr Geheimnis in der Sichtbarwerdung; der Sichtbarmachung durch den Künstler.


Die Reduktion auf das kontrastreiche Formenspiel und die Sensation der Oberflächenstrukturen der Objekte sind der Minimal Art verwandt. Das Konzeptuelle unterliegt in Felix Warnatschs Kunst aber eindeutig dem Diktat des Materials. Das Sammeln der verschiedenen Werkstoffe und das Experimentieren mit dem Vorgefundenen stehen ganz im Zentrum der Arbeitsweise des Künstlers. Das stets wiederkehrende Farb- und Formschema (Warnatschs »Palette«) umfasst vor allem gebrauchtes Holz, grobes Textil, rissigen Beton, vergilbten Schaumstoff, durchlässiges Glas und korrodierten Stahl. Diese bewusste Auswahl und Eingrenzung verweist auf die Tradition der italienischen Arte Povera – der Kunst des Ärmlichen Materials, des Zeugs und der Lumpen, und die damit verbundene Suche nach dem Einfachen und Natürlichen.

Natur findet sich in Warnatschs Werk hauptsächlich als Schatten und Spur des Entropieeffekts auf der Oberfläche der industriellen Werkstoffe. Der Alterungs- und Verfallsprozess der Materialien (z.B. die relativ schnellen Veränderungen des Schaumstoffs bei Sonnenlichteinwirkung) sind wesentlicher Bestandteil von Warnatschs Ästhetik. Der Künstler selbst spricht vom Ruinösen: »Meine Materialien sind fast alles Fundstücke, kulturelle vom Menschen geschaffene, Gebrauchtes, all jenes was seine Zeit und Funktion schon überdauert hat. Ich denke der Begriff der Ruine könnte ganz treffend sein. Ich sammle Ruinöses, Vergilbtes und Verbrauchtes und schaffe neue Ruinen.«

So wie seit dem manieristischen Barock die Ruine als poetisches Bindeglied zwischen Natur und Kunst galt (wie z.B. in der Gartenkunst bis ins 19. Jhd. inszeniert) so lassen sich auch in den Denkweisen der Arte Povera solche naturromantischen Impulse wiedererkennen: Die lebensfeindliche »zweite Natur« des Menschen, seine künstlichen Produkte und Abfälle (also auch die Kunst selbst) sollen mit den lebendigen Prozessen versöhnt, damit aber auch Sterben und Tod ausgeliefert werden.

Felix Warnatschs Objekte und Installationen kann man als eine Art Garten verstehen, immer zwischen Absterben und Wiederbelebung begriffen, mit dem sich der Künstler zur Einkehr, zur Kontemplation und zur Schaffung des Schönen aus dem Vergänglichen umgibt und mit dem er die Möglichkeit einer zukunftsfähigen Erinnerungskultur erprobt, einer postmodernen Idylle der untoten Dinge, irgendwo zwischen Nostalgie und Dystopie: » […] was dann vielleicht noch weiter in die Zukunft zum endgültigem Verfall spiegelt. Das was bleibt, ist (auf lange Sicht und hoffentlich) die Spannung, die Energie, der Eindruck. Das Wesentliche liegt letztendlich auf der Zeit an sich, der Vergangenheit und Vergänglichkeit – das Aufgeladen Sein durch vergangene Zeit, durch Gelebtes.«

Felix Warnatsch (geb. 1983 in Freiberg/Sachsen) hat Freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf studiert. Er war Meisterschüler bei Professor Martin Gostner. Für seine Abschlussausstellung erhielt er 2015 ein Stipendium der Freunde und Förderer der Kunstakademie Düsseldorf. Ausstellungen in Köln, Düsseldorf, Essen, Leipzig und Moskau begleiten sein Schaffen. Er lebt und arbeitet in Freiberg/Sachsen.

Ausgewählte

Arbeiten

Vita

Felix Warnatsch

1983
geboren

2015
Akademiebrief Kunstakademie Düsseldorf (Klasse Professor Martin Gostner)

2014
Auszeichnung Meisterschüler

2007 – 2015
Kunstakademie Düsseldorf
Klasse Professor Martin Gostner (2009 – 2015)

lebt und arbeitet in Freiberg/Sachsen

Ausstellungen

2018
find what you love and let it kill you, artrmx, Köln

2017
fading grounds, 8Quadrat, Köln [E]

2016
Mary und der Vulkan, KIT, Düsseldorf

2015
served simplicity, Kunstakademie Düsseldorf, Düsseldorf [E]
Zugzwang, Güterbahnhof Ehrenfeld, Köln
rough and ready, Gleisdreieck, Düsseldorf [E]

2014
Spagat, Galerie A3, Moskau

2011
Atelier – Plattform für neue Kunst Pact, Essen

Preise

2015
Stipendium der Freunde und Förderer der Kunstakademie